„Museum“ ist die dritte Arbeit dieser Art. 1999 erschien
das Buch Relative Stille
/ Relatively Still von Uwe Wittwer. Dieser schwarz-weisse Bildband
ist eine Annäherung an die bekannte und doch immer fremde Stadt –
London. Das Buch basiert auf Uwe Witwers inkjet Arbeiten von fotografischen
Aufnahmen, welche durch Bearbeitung am Computer in eine malerische Ebene
geführt werden.
Aus der Arbeit „Relative Stille / Relatively Still“ wurde
eine eigentliche Werkgruppe:
Zum Buch entstand unter Mitarbeit von Lopetz / Büro Destruct ein
Remix als Video, - mit Musik, Text und Londoner Originaltonaufnahmen von
Kevin Mueller und Andreas Ryser. Auf Basis des Videos und dessen „Überblendungsthematik“
wiederum, malte Uwe Wittwer eine Reihe von Ölbildern.
Die zweite Arbeit in dieser Reihe ist das 2001 entstandene DVD To
the Stadium, - eine Arbeit über den Weg zu den Londoner Fussballstadien
in der Sommerpause. Diese Arbeit basiert auf Foto –und Tonaufnahmen
von Uwe Wittwer und Kevin Mueller. Die Bilder sind auf dem Computer bearbeitet
und in unterschiedlicher Geschwindigkeit aneinander gefügt. Die Tonspur
besteht aus Musik welche unter Einbezug der Tonaufnahmen aus London entstand.
In die Musik eingebettet, ist ein Essay, für diese Arbeit verfasst
von Amy Lawrence, Sportjournalistin bei der englischen Wochenzeitung The
Observer.
Das Aktuelle Projekt „Museum“ wird in einer ähnlichen
Arbeitsweise durchgeführt. Als Ausgangsmaterial dienen Bild- und
Tonaufnahmen aus der National Gallery in London.
Das Museum mag innen wie aussen als Ort der Ruhe erscheinen, -in ihm liegt
aber das Potential, grossen emotionalen Aufruhr zu stiften. Das Museum
ist der Schauraum eines andauernden Ringens zwischen Öffentlichkeit
und Privatsphäre, initiiert durch unseren Blick durch die Gemälde
als Fenster auf die Welt, auf mehrere Welten, - allesamt der Subjektivität
der Künstler wie der Betrachter ausgesetzt. Als Betrachter wird unsere
Aufmerksamkeit in verschiedenste Richtungen gelenkt: Bildbetrachtung ist
in erster Linie eine Betrachtung unser selbst, - bewusst oder unbewusst.
Das Museum birgt durchwegs kritische Komponenten: Die Ansammlung von Gemälden
grosser Künstler in monumentalen Räumen lässt die Betrachter
leicht in Ehrfurcht erschaudern. Das Haus und die Sammlung repräsentieren
Reichtum und Macht.
Wir begeben uns ins Museum auf der Suche nach Schönheit. Das Museum
ist ein Gedächtnisort, eine Bibliothek. In ihr, suchen wir das Bild
im Bild im Bild.
Die akustische Ebene ist im Zusammenhang mit dem Museum meist kein Thema.
Ton ist etwas im Hier und Jetzt, - die Gemälde aber, stammen aus
anderen Zeiten. Die Gemälde sind aber auch in der Gegenwart präsent.
Sie besitzen eine Physis, welche in direktem Bezug zum Betrachter steht.
Das gesprochene Wort, widerspiegelt in gewisser Weise, den aktuellen,
subjektiven Wert eines Bildes. Das Wort kann ausdrücken, was der
Betrachter empfindet, wenn er vor dem Bilde steht.
Die Original-Tonaufnahmen dienten als Basis für die Musik zu diesem
Projekt. Die Zeitdimension, – welche im Museum ein omnipräsentes
Element darstellt – wird in der Musik durch Fragmente von Cembalo-Musik
aufgenommen. Gleich wie das Wort des Betrachters (aufgenommen über
die Texte von Klaus Merz)
darstellt, wie die Wirkung eines Bildes aus der Vergangenheit in die Gegenwart
transportiert wird, setzt das Cembalo durch seinen Klang, die moderne
Tonspur in einen historischen Kontext.
Ton stört und ergänzt das Bild. Das Bild dient als Anlass, dass
Sprache sich formuliert und sich entwickeln kann. Aus der Bildbetrachtung,
entsteht die Diskussion um die Kunst, entstehen Worte, entstehen neue
Werke. Mit der Musik in unserer Arbeit, versuchen wir einerseits, die
Klangwelt des Museums als Vertonung der ausgestellten Gemälde hörbar
zu machen. Andererseits, stellen wir die Musik als kompositorischen Gegenpol
zu den Bildern, welche in der Arbeit neu entstehen.
Mitarbeit:
Aziza Sadikova, Cembalo; Andreas Ryser, Musik; Klaus Merz, Texte; Arne
Nannestad, Stimme.
Dank an: Belinda Ross (The National Gallery); Hugo Ryser (Optickle.com);
Daniel Jakob, (Filewile.com)
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